Bilder

So wird also der Mensch gefragt, wer er denn sei. Der Mensch von heute antwortet: Ich bin zuallererst ein Mensch!

So wurde also das Gemälde gefragt, was es denn darstelle. Das Gemälde antwortete: Das siehst du doch, ein Gemälde.


Fliegen im Sommer

Bertrand Russell:

Every man, wherever he goes, is encompassed by a cloud of comforting convictions, which move with him like flies on a summer day.

Es ist umgekehrt: Wir sind zu Schmeißfliegen des Sommers geworden, die dem Gestank von immer schneller wechselnden Überzeugungen folgen.


Taktische Hinweise zur Diskussion mit der Linken II

Es wird sogar noch schwieriger, weil es nicht bei dieser ersten Konditionierung bleibt. Sie ist nur die Vorstufe der Indoktrinierung, sozusagen eine Ausformung von intuitiven Beißreflexen. Im Anschluss daran folgt für viele das Bootcamp an der Universität.
Am radikalsten sind sicherlich die Sozialwissenschaften, bei den Geisteswissenschaften (der Autor hat an beiden Fakultäten studiert) ist es schwieriger, da sie sich ja mit konkreten Artefakten wie Autoren, Kunstwerken und Sprachen beschäftigen und so ein Restbezug zur europäischen Weltsicht immer verbleibt. Das soll nun nicht heißen, dass es unmöglich wäre, jeder Student, der etwa eine gegenwärtige Vorlesung zur Literaturtheorie besucht hat, weiß um Foucault und Derrida und die Möglichkeiten der Dekonstruktion.
Die Professoren der Politikwissenschaft, Soziologie, Kulturanthropologie, und wie sie alle heißen, sehen ihre Aufgabe nun darin, auf der geleisteten Arbeit der kulturmarxistischen Gefühlswelt aufzubauen und sie mit intellektuellen Konzepten zu unterfüttern, sodass die angehenden Journalisten, NGO- Aktivisten, Mitglieder der Integrationsindustrie/der Stadtverwaltung/der Botschaften/der Parteien in der Lage sind, sich zu artikulieren. Die abstrakte Sprache, in der dies geschieht, ist natürlich bewusst gewählt, da sie nicht Eingeweihte einschüchtert. Im Grunde weiß jeder angehende Student bereits, welche Meinungen von ihm erwartet werden, in der Regel lernt man nur,
selbstreferentielle Zitate methodisch korrekt zu setzen.2
Die Auseinandersetzung auf den Universitäten ist die wichtigste und gleichzeitig schwierigste überhaupt, und ich halte es für den schwerwiegendsten Fehler der meisten Konservativen, dass sie über die holprigen Konstrukte der Berufsintellektuellen wahlweise einfach nur lachen oder verächtlich zischen und dann aber überrascht sind, wenn diese Konzepte in ausgearbeiteter Form in EU- Richtlinien und Theaterinszenierungen auftauchen, eine näher gehende Betrachtung würde in diesem Text jedenfalls zu weit führen. Zusammengefasst soll hier nur ausgedrückt werden, dass die allermeisten Argumente, die Sie ins Feld führen können, überhaupt keine Wirkung haben, weil sie auf einer moralischen Basis zurückgewiesen und mit einer auswendig gelernten Antwort gekontert werden. Das heißt auch, dass Sie mit empirischen Darstellungen wenig bis nichts erreichen. Es ist nicht etwa so, dass der Linke weniger Informationen als wir zur Verfügung hätte, ich kenne einige, die sich sehr genau mit Migrationsströmen auskennen und auch um unsere demographische Zukunft wissen. Es ist ein Irrglaube, dass die korrekte Anordnung von Zusammenhängen bei ihm ein Licht aufleuchten lassen würde. Alles das lauert bereits irgendwo an der Peripherie seiner Wahrnehmung und drängt auch oft ins Zentrum, wird aber mit den oben genannten Methoden zurückgestoßen. Machen Sie also nicht den Fehler, ihn schlicht als dumm einzuordnen, er ist sich der Versatzstücke nicht wirklich bewusst, die er reflexartig benutzt, vielmehr greife ich mir ob des verschwendeten intellektuellen Potentials oft voller Grauen an den Kopf.
3. Das Ziel der Ideologie ist die Auslöschung unserer Identität, unserer Erzählung, und zwar inklusive aller ihrer Elemente, von Shakespeare bis Gender Mainstreaming, in letzter Konsequenz lässt die Neuinterpretierung durch Drittweltmassen beides nicht mehr zu. Es gibt keinen Stopp auf halber Fahrt, und es ist ja gerade ein Kennzeichen der in der Tat lächerlichen Gegenwehr der Besonnenen, die immer um Versöhnung bemüht sind, dass sie sich gerade nach einer verlorenen Schlacht wieder einmal in Sicherheit wähnen. Wo sie noch
jammern und betteln: „Nun, okay, da habt ihr eure Homo-Ehe, aber damit ist es auch gut, ja?“, da lauert am Horizont schon das Adoptionsrecht, dahinter die Ehe für Transsexuelle, dahinter das Recht für transsexuelle … nunja, Eltern, das Geschlecht ihres Kindes operativ je nach Geschmack zu verändern. Warten Sie mal 10 Jahre ab …
Man erkennt immer, ob man es mit einem ehrlichen Linken zu tun hat, wenn man einmal den ganzen Bullshit beiseite lässt und eine Antwort auf die Frage verlangt: „Du weißt es, und ich weiß es, es gibt für jedes europäische Land einen Countdown, wenn der abgelaufen ist, verschwinden die Blonden dieser Welt, Dostojewskij, Bach, die Akropolis, dein Bio-Supermarkt, die Läden für Schwulen- Accessoires, und so weiter. Ist dir das wirklich egal?“ Der unehrliche Linke wird eine Kombination aus Spott und Abwiegelung versuchen, der ehrliche aber, der die Zahlen und in seinem tiefsten Inneren auch den Wesensunterschied der Neuankömmlinge kennt, wird schlicht und klar sagen: „Ja“. Er ist bereits tot, das ist ja gerade der Sinn: Sein bzw. unser Opfer ist erst die Voraussetzung für eine gerechte Welt. Er gehört zu jenen, die – meist hämisch frohlockend und mit Glucksen – z. B. meinen, dass Deutschland doch bereits ein Einwanderungsland sei und es also doch gar keinen Sinn mehr mache, sich dagegen zu stellen, überhaupt gebe es doch nur noch ein paar schnell absterbende Resthäuflein, die bald der Geschichte angehören werden. (Natürlich ist es umgekehrt: Wir wollen leben, sie wollen sterben, endlich alles hinter sich haben.)
Wie also diskutieren, wenn die Lage so vertrackt ist? Die folgenden Punkte sind natürlich nur für Linke gültig, die noch am Anfang ihres Abnabelungsprozesses stehen. Das Ziel der Diskussion ist es, ihr Unbehagen bis zu dem Punkt zu steigern, an dem ihre rationalen Kapazitäten für eine Überwindung der Widersprüche zwischen Wahrnehmung und Ideologie nicht mehr ausreichen. Bei sehr intelligenten Menschen kann das sehr lange dauern, um nur eine der bitteren Ironien dieser ganzen Sache zu erwähnen. Noch einmal: Seien Sie
bescheiden, meistens wird es überhaupt nicht funktionieren, Sie werden bei den einzelnen Personen schnell ein Gefühl dafür entwickeln.
• Für den gerade erwähnten Hardcore-Linken gibt es nur eine Erwiderung: „Ich glaube dir nicht.“ Lassen Sie ihn lang und ausführlich erklären, warum er die Apokalypse für gerecht und notwendig hält. Sie sollten dazu aber natürlich in einer größeren Gruppe unterwegs sein. Die Regeln für Gruppendiskussionen unterscheiden sich manchmal stark, es kann hier sinnvoll sein, von fünf Leuten vier zu provozieren, um dem schweigenden Zuhörer die ganze Absurdität ihrer Ansichten einmal in ihrer vollen Konsequenz vorzuführen. Ein gutes Mittel ist hier das komplette Umdrehen eines Arguments, akzeptieren Sie niemals die Grundannahmen Ihres Gegners. Auf Dutzenden von Partys habe ich das Argument gehört, Europa sei für das Elend Afrikas verantwortlich. Meine Antwort darauf lautet seit geraumer Zeit: „Nein, es ist umgekehrt, alles, was in Afrika funktioniert, sind Reststrukturen aus dem Norden.“ Sicher ist Ihnen anschließend daran nicht nur der Hass der Umgebung, sondern auch eine gewisse Art Schock, von dem Sie hoffen können, dass ein oder zwei Anwesende verwirrt sind. Im Folgenden geht es um Einzelpersonen, an denen Ihnen etwas liegt.
• Benutzen Sie keine durch jene erwähnten Prozesse kontaminierten Begriffe, die sofort Beißreflexe auslösen: Volk, Nation, Familie, Stolz, Tapferkeit, Ehre, Geschichte, Glaube, Natur, Männer, Frauen, Moral usw..
• Überhaupt, sprechen Sie im Normalfall (Ausnahme weiter unten) nicht von Überzeugungen, Ansichten, Meinungen. Der Egalitarismus ist Orthodoxie, und für den günstigen Fall, dass Ihr Gesprächspartner noch nichts von Ihrer Einstellung weiß, ist es besser, ihn in dem Glauben zu belassen, dass Sie die seine teilen.
• Erzählen Sie Geschichten, vermeiden Sie Statistiken. Nicht: „Hast du schon von der Vergewaltigungsstatistik zu Oslo 2009 gehört?? Zu 100% Moslems!!“, sondern: „Also ich weiß ja nicht, aber schon langsam wird es mir unheimlich, dass mir von [Name einfügen, der dem Diskussionspartner bekannt ist] ständig erzählt wird, wie unangenehm die Annäherungsversuche gewisser Bevölkerungsgruppen sind.“ Nicht: „Also der fehlende Bildungswille bei Zigeunern ist doch unerhört!“, sondern: „Eine Bekannte aus Prag, die Volksschullehrerin ist, hat mir erzählt, dass Roma-Kinder mit 6 Jahren oft noch nicht einmal das Konzept von FARBEN begriffen haben.“. Sie stehen sozusagen vor dem gleichen Dilemma, und fragen ihn unschuldig implizit oder auch explizit, wie es denn seiner Meinung nach aufgelöst werden könnte. Praktisch ist hier natürlich, dass Sie nichts erfinden müssen, überhaupt ist die Realität als verlässlichster Verbündeter ja glücklicherweise auf unserer Seite.
• Lassen Sie sich Geschichten dieser Art auch erzählen, die kommen zum Vorschein, wenn man nur ein bisschen stochert. Ich habe es oft erlebt, dass Bekannte diese gewissen bedrückenden Erlebnisse hatten, und dann auch Trost bei jemandem suchen, der zuhört und bedauert, dann aber dabei hilft, den Schirm der Ideologie wieder hochzuziehen. Lassen Sie diesen letzten Part einfach aus.
• Im Fall, dass Sie sich auf das Theoriegelände wagen wollen, reden Sie immer von primären und unverfänglichen Begriffen. Es ist für die gegenwärtige Kulturindustrie nicht günstig, den Zuschauer so anzugreifen, dass er sich vom Angriff nicht abgrenzen kann. Ein Film kann behaupten, dass die Kombination aus „weiß“ + „Mann“ zu den Südstaaten des Jahres 1861 führt, aber gleichzeitig bietet er im Regelfall den Ausweg des Renegaten an, der sich „richtig“ verhält und dem nunmehr befreiten Sklaven die Möglichkeit gibt, die Welt vom weißen Schmutz reinzuwaschen, sei es durch Mord oder Inbesitznahme verschiedener Güter. Es gibt aber gute Gründe, warum z. B. der Begriff „Mensch“ als solches nicht kritisiert wird. Würde man die Widersprüchlichkeit seiner Natur, seine irrationalen Anwandlungen, den Hass, Neid, alle Arten von Unvollkommenheit und Schwäche als eine anthropologische Grundkonstante darstellen, die unveränderbar ist und letztlich nur eingehegt werden kann, dann würde es den Konsumenten nach einer anderen Art der Auflösung drängen, da man sich ja schlecht vom Mensch- Sein entfernen kann. Die Antwort auf diese Fragen waren natürlich in allen Kulturen zu allen Zeiten bis auf die unsere Institutionen wie Familie, Religion, Staat, usw.. Fangen Sie also damit an, zu fragen, welches Menschenbild Ihr Gesprächspartner hat. Er wird – sonst wäre er kein Linker – eine Variation der Ansicht bringen, dass er diesbezüglich optimistisch sei, es sei ein klarer Fortschritt erkennbar, natürlich gebe es noch Reibungen zwischen „den Menschen“, verursacht durch ein paar Reaktionäre, aber die könne man überwinden. Ich habe es nie erlebt, dass das ein langer Vortrag wird, meistens sind es zwei bis drei Stehsätze. (Das Format von deutschsprachigen Talk-Shows funktioniert exakt nach diesem Prinzip, der Sarrazinsche Abweichler findet sich stets von mehreren Gegnern umgeben, die nichts als diese zwei Sätze sagen, nur eben nach- und durcheinander, sodass auch dadurch die Zeit ohne größere Peinlichkeiten verstreicht. Wäre es ein echter Schlagabtausch mit nur jeweils einem Vertreter, wo beide abwechselnd eine Stunde lang 5- minütige Argumentationen ohne Unterbrechungen ausführen könnten, wäre die Illusion auch für die schlichteren Zuschauer nach einigen wenigen Sendungen zerplatzt.) Warten Sie ab, und sagen Sie dann klar und deutlich: „Ich sehe das komplett anders.“ Die erste Adresse für Argumentationshilfen bezüglich des „Mängelwesens“ Mensch ist Arnold Gehlen, den sollten Sie für solche Momente parat haben. Sie werden vielleicht entgegnen, dass man dann im Endeffekt ja wieder bei den vergifteten Konzepten landet, aber zumindest haben Sie sie nicht einfach als Glaubensinhalte präsentiert, sondern als Derivate grundsätzlicherer Fragen.
Wenn Sie sich nun fragen, ob diese lächerlichen Babyschritte alles seien, was Sie leisten können, muss die Antwort – wenn es sich um Familienangehörige und dergleichen handelt – „Ja“ lauten. Sind es flüchtige Bekannte, so zögern Sie nicht, den Holzhammer anzuwenden, für alles andere fehlt auch mir lange schon die Geduld. Langfristig gesehen sind es wohl sowieso nur die sich verschärfenden Umstände, die einen Sinneswandel herbeiführen können. Gut möglich, dass wir dann bereits vor den Trümmern unserer Existenz stehen. Viel Glück!


Taktische Hinweise zur Diskussion mit der Linken I

Sie haben also einen Bekannten, Freund, Familienangehörigen, den Sie bekehren wollen. Sie wollen ihn davon überzeugen, dass der gegenwärtig eingeschlagene Weg zur restlosen Zerstörung alles dessen führen wird, das auch er liebt, will er es nun zugeben, oder nicht. Was hier mit Zerstörung gemeint ist, muss nicht weiter ausgeführt werden, wir alle wissen es, und wenn nur als unangenehmes und nicht tot zu bekommendes Verkrampfen in unserer Magengegend. Bei all den folgenden Punkten sollte bedacht werden, dass Sie die Kraft von Argumenten niemals überschätzen sollten, was wir vorhaben, gleicht einer Konversion, und nur bestimmte Personen sind überhaupt offen für eine solche. Vergessen Sie jeden über 35, die Anstrengung ist es nicht wert. 95% aller Menschen haben bereits mit 25 ein abgeschlossenes Weltbild, das sich nicht mehr ändert, es sei denn, es ereignet sich eine wirklich schwere Erschütterung im näheren Umfeld, die die Person aus ihrer Bahn wirft.

Seien Sie sich vor allem bewusst, wogegen Sie antreten:

1. Die überwältigende Mehrheit der nun etwa 15 bis 30-jährigen war einem Bombardement ausgesetzt, das sich viele Leser dieses Blogs wahrscheinlich nur schwer vorstellen können, einfach deshalb, weil sie mit der gegenwärtigen kulturellen Landschaft nicht vertraut sind. Der Einfluss von Zeichentrickserien wie Family Guy (fetter, stupider, und ignoranter Familienvater mit einer Frau, die er nicht verdient hat), Simpsons (fetter, stupider und ignoranter Familienvater mit einer Frau, die er nicht verdient hat), American Dad (stupider, ignoranter und nationalistischer Familienvater, der bei der CIA arbeitet; bei allen 3 Serien ist die Familie der Hort der Grausamkeit), Filmen wie Avatar (böse Weiße), Elysium (böse Weiße), Django Unchained (böse Weiße), 12 Years a Slave (böse Weiße), hier vor allem auch Streifen, die auf Kinder unter 10 Jahren abzielen, wie etwa Ice Age (wesensmäßig verschiedene Tiere, deren Gemeinschaft sich lediglich

durch Werte wie Freundschaft definiert; exemplarisch hier sinngemäß ein Dialog zwischen zwei Säbelzahntigern: „Ich sehe schon, warum du das Rudel verlassen hast.“ „Ich habe etwas viel besseres als das Rudel.“ „Was denn?“ „Eine Herde.“), Toy Story, Monster AG (bezeichnend der Wechsel, der hier stattfindet: Die antagonistische Grundhaltung zu Beginn zwischen Monstern und Kindern – Monster erschrecken Kinder, um Energie zu gewinnen – wird am Schluss zur Gänze aufgelöst. Man entdeckt, dass das Lachen von Kindern viel mehr Energie produziert als ihre Furcht, sodass also eine harmonische Zukunft zwischen grundverschiedenen Identitäten stattfinden kann), Ratatouille (Überwindung des Gegensatzes zwischen Mensch und Ratte) und anderen kann überhaupt nicht überschätzt werden.

Meines Erachtens sogar noch wichtiger ist der Einfluss seitens der von Jugendlichen konsumierten Musik: Punkrock (klassisch hier NOFX: „Kill all the white man“), Hip-Hop (Primitivität als Auszeichnung), World Music (der Name sagt es, eine Art Weltgemeinschaft), Pop (zelebrierte Erniedrigung, von Cyrus bis Spears), Metal (zutiefst anti-christlich, obwohl die Sache mit der Rechten hier etwas komplizierter ist), Reggae (Delirium als religiöse Erhöhung und Pazifismus, natürlich nur in der weißen Rezeption), Disco (die implizite Promiskuität ist wohl noch relativ harmlos im Vergleich) usw. usf., üblicherweise definieren sich die Subkulturen der Altersklasse 15-25 hauptsächlich über Musik, weil die drohende Substanzlosigkeit des fehlenden Erfahrungsschatzes wegen durch Kultzugehörigkeit relativ einfach überbrückt werden kann.

Der Sinn dieser Art Popkultur ist es, eine Grammatik zu erschaffen, mit der bestimmte Reaktionen auf Stichwörter ausgelöst werden. Dies funktioniert nicht auf einer rationalen Basis, sondern ist vielmehr ein Bauchgefühl, das nach dem Verfahren „Das habe ich doch schon einmal wo gehört“ funktioniert. Es sind emotionale Wahrheiten, die dem Betroffenen darüber hinaus die Möglichkeit geben, mit Widersprüchen in seiner Wahrnehmung umzugehen. Sieht also beispielsweise eine junge Frau um 3 Uhr morgens auf dem Heimweg am Gürtel in Wien eine Ansammlung von 3 Schwarzen auf einer Bank sitzen, die sie betrachten, so wird sie sich z. B. an die Sklaven in Django Unchained erinnern und daran, wohin es führt, wenn wir Vorurteile pflegen. Das unumgängliche Gefühl der Gefahr als Kombination der Umstände wird als ein Zeichen des eigenen Rassismus sublimiert. Dieser Vorgang funktioniert auch umgekehrt, liest die gleiche Person etwa einen Propagandaartikel in der Zeit, der sich mit sinistren Machenschaften von Pharmakonzernen beschäftigt, so denkt sie nicht etwa an den Großvater, der nur wegen moderner Medikation noch am Leben ist, sie fühlt sich an die Darstellung in Hollywoodfilmen erinnert, und wir alle wissen, welche Rolle große Konzerne dort spielen.


Christliche Verwerfungen II

„Im Gegensatz zu Katholiken und traditionellen Lutheranern fehlt es den meisten Protestanten an einem Sakrament der Buße, wodurch sie eine nicht aufgelöste und persönliche Schuld mit sich führen. Da die Erbsünde in der klassischen protestantischen Lehre eine fatal entstellende Macht ist, lastet sie schwer auf dem Gewissen jener, die es mit der Religion ernst meinen. Ferner ist sie möglicherweise auch für die Oszillationen zwischen demütigender Unwürdigkeit und persönlicher Erhebung als eines Auserwählten Gottes verantwortlich. Das gegenwärtige, linkslastige Christentum kombiniert Rituale der abendländischen Zurückweisung des Selbst mit protestantischen Einstellungen zu Individualität und Gleichheit, zum fundamental gefallenen Sünder und der gleichzeitigen Selbstentwertung bzw. Selbsterhöhung des Heiligen. Es soll hier kein Versuch gemacht werden, die Hinwendung zu einem Staat der Verhaltensrichtlinien mittels einer einzigen Variable zu erklären, besondere Betonung muss aber auf religiöse Haltungen gelegt werden. Diese erklären, warum Bevölkerungsmehrheiten „naturwidrig“ im Sinne Max Webers agieren, der damit den innerweltlichen Ästhetizismus der frühen protestantischen Gesellschaft meinte. Weber räsonierte, dass es schwer möglich ist, die Opfer der frühen modernen europäischen Bourgeoisie als dem Anhäufen von Investitionskapitel ohne Calvinistische Moral zu verstehen. Menschen lassen die Gelegenheit zu unmittelbarem Genuss nicht aus, ohne dafür gewichtige moralische oder theologische Gründe zu haben. Analog dazu wären die umfassenden Bejahungen fremder Kulturen oder die Ausführungen von Ex-Präsident Clinton zur Schande aufgrund vergangenen abendländischen „Terrors“ ohne die gegenwärtigen christlichen Schuldpredigten nur schwer vorstellbar.“

Sinngemäß aus: Multiculturalism and the Politics of Guilt, Paul Gottfried
Übertragung aus dem Englischen von Zam


Christliche Verwerfungen I

„Als exemplarisch für den Einfluss des multikulturellen Konzepts auf politische Prominente unabhängig von konkreten Karriereinteressen kann eine Rede von Bill Clinton gelten, die er gegenüber der Studentenschaft der Georgetown University am 7.11.2001 hielt. Der frühere Präsident betonte den in den Vereinigten Staaten für hunderte Jahre existierenden Terror, und wie die Nation nun den Preis für ihr Zutun zur Sklaverei und für das Wegschauen während der Vertreibung und Tötung einer beträchtlichen Anzahl an amerikanischen Ureinwohnern bezahle. ‚Hier in den Vereinigten Staaten erschufen wir eine Nation, die auf der Sklaverei gründete, und jene Sklaven wurden regelmäßig trotz ihrer Unschuld ermordet.‘ Mehr noch: ‚Während des ersten Kreuzzuges, als christliche Söldner Jerusalem eroberten, brannten sie zuerst eine Synagoge mit 300 in ihr befindlichen Juden nieder und fuhren fort, jede Frau und jedes Kind auf dem Tempelberg zu töten, das muslimischen Glaubens war. Ich kann Ihnen versichern, dass diese Geschichte noch heute im Nahen Osten erzählt wird und wir immer noch für sie bezahlen.‘
[…]
Relevant für unsere Untersuchungen sind hier nicht die Fehler und Auslassungen, die in Clinton´s Ausführungen enthalten waren, sondern die Tatsache, dass er sie vor mehr als 1000 Studenten der Georgetown University nur wenige Wochen nach dem Angriff von muslimischen Terroristen auf Amerikaner und amerikanische Regierungseinrichtungen tätigte. Am 8. November nutzte er die Gelegenheit seiner Georgetown-Aufenthalts, angebliche Fehlgriffe von westlichen Christen aufzulisten, inklusive jene, die gegen Muslime gerichtet worden waren. Eine Aktion wie diese konnte seiner Karriere in der Öffentlichkeit auf keine Weise dienlich sein und war wahrscheinlich für viele seiner Berater unangemessen. Es lässt sich schwer bestreiten, dass Clinton Überzeugungen ausdrückte, die für ihn selbst als richtiger Ausdruck seiner guten Absichten gelten konnten. Wichtiger als die Stichhaltigkeit dieser Aussagen oder das Verfolgen seiner Berufsinteressen schien es ihm, die Sünden der amerikanischen Gesellschaft hervorzuheben, der er als Mitglied der Nation natürlich selbst angehörte.
Diese Gesten als „billigen Akt der Gnade“ oder Effekthascherei abzutun, wie einige konservative Christen es versuchten, würde die religiöse Funktion übersehen, die sie inne haben. Die öffentliche Aktualisierung einer liberalen protestantischen Theologie der sündenhaften Gesellschaft reflektiert jenen transformierten Calvinismus, der heute das amerikanische konfessionelle Leben und seine Zivilkultur beseelt. Um das Schuldeingeständnis als einen moralischen Akt und also als ernsthaft zu charakterisieren, muss es keine hieb- und stichfeste Dokumentation oder schmerzhafte individuelle Akte der Buße aufweisen.
Die Bedeutung der Beichte liegt im Akt selbst verborgen, der ausgeführt wird. Er kennzeichnet die Reinheit des Herzens, die in einer Kultur der Opfer die Erleuchteten und Erlösten auszeichnet. Auf Grundlage von Überlegungen wie dieser können keine wesentlichen Trennlinien zwischen der ‚Mitschuld‘ am Holocaust der Nazis und dem Leben in einer Nation gezogen werden, die vieles, aber nicht alles tat, um spätere Naziopfer zu retten. Die Vereinigten Staaten standen in Opposition zum deutschen Nazismus und nahmen zumindest einige Flüchtlinge auf, die der Nazi-Tyrannei entflohen, inklusive Mitgliedern meiner eigenen Familie. Obwohl sie natürlich mehr hätten tun können, sieht die Akte der Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht in der Tat sehr gut aus, besonders im Vergleich zu den beschämend geringen Anstrengungen, die von der amerikanischen Regierung unternommen wurden, um die Opfer von Stalin zu retten, was liberale Christen ihrem Land erstaunlicherweise nie zum Vorwurf machen.“

Sinngemäß aus: Multiculturalism and the Politics of Guilt, Paul Gottfried
Übertragung aus dem Englischen von Zam

Wird fortgesetzt…


Wissenschaftlicher Konsens I

Folgende Zitate aus: Marquart, Franziska: Rechtspopulismus im Wandel. Wahlplakate der FPÖ von 1978-2008, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2013/4

„Im Nationalratswahlkampf 2013 stellte die Freiheitliche Partei Österreichs den einzelnen Bürger / die einzelne Bürgerin ins Zentrum ihrer Werbemaßnahmen und warb mit christlichen Werten: „Liebe deinen Nächsten. Für mich sind das unsere Österreicher“ (APA 2013). Allerdings machte Parteichef Heinz-Christian Strache auch deutlich, wer nicht zu seinen „Nächsten“ gehört, denn „Asylbetrüger haben zu gehen“. Die politische Werbung der FPÖ fügt sich damit in eine lange Reihe vorangegangener Kampagnen ein, in denen die Zuneigung zum österreichischen Volk der Ablehnung fremder Einflüsse gegenübersteht. In diesem Zusammenhang kann die Freiheitliche Partei Österreichs als Prototyp einer Parteienfamilie verstanden werden, die dem übergeordneten Begriff des Rechtspopulismus zugewiesen wird.“

Verblüffend, es so deutlich zu lesen. Immerhin ehrlich, dennoch natürlich kann dieser Beitrag in diesem Zusammenhang als Prototyp einer Ideologie verstanden werden, die dem übergeordneten Begriff der Umkehrung aller Werte zugewiesen wird. Die Zuneigung zum Eigenen ist ein pathologischer Zustand.

Wie es sich für einen wahrhaft wissenschaftlichen Beitrag gehört, schließt er mit einer der üblichen Totalitarismusstrategien:

„Schließlich sollte der Rezeption und Wirkung rechtspopulistischer Plakate vonseiten der Sozialwissenschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. In einem Land wie Österreich, das zunehmend durch Migrationsprozesse geprägt wird und das auch in den kommenden Jahren mit hohen Zuwanderungszahlen rechnen kann, stellen ausländerfeindliche Ressentiments eine Gefahr für Integration und gesellschaftliches Zusammenleben dar. Der Beitrag, den rechtspopulistische Plakatwerbung dabei leistet, darf nicht unterschätzt werden.“

In der Zam´schen Übersetzung: Es sollte viel mehr Propaganda in diesem Bereich produziert werden, es mangelt hier an der verlässlichen Mathematik der denunziatorischen Veröffentlichungen. Jene sind unerlässlich, um den Betrieb der veröffentlichten Meinung zu unterfüttern, sollte es einmal darauf ankommen. Wir sind uns zwar bewusst, dass der Zersetzungsprozess unserer Gesellschaft unaufhaltsam voranschreitet und im Endeffekt zum wurzelverzehrenden Ableben jedes einzelnen Elements führen wird, durch das wir uns definieren (den Egalitarismus eingeschlossen), diese Plakate gehen uns aber auf die Nerven.