Monatsarchiv: Januar 2015

Taktische Hinweise zur Diskussion mit der Linken II

Es wird sogar noch schwieriger, weil es nicht bei dieser ersten Konditionierung bleibt. Sie ist nur die Vorstufe der Indoktrinierung, sozusagen eine Ausformung von intuitiven Beißreflexen. Im Anschluss daran folgt für viele das Bootcamp an der Universität.
Am radikalsten sind sicherlich die Sozialwissenschaften, bei den Geisteswissenschaften (der Autor hat an beiden Fakultäten studiert) ist es schwieriger, da sie sich ja mit konkreten Artefakten wie Autoren, Kunstwerken und Sprachen beschäftigen und so ein Restbezug zur europäischen Weltsicht immer verbleibt. Das soll nun nicht heißen, dass es unmöglich wäre, jeder Student, der etwa eine gegenwärtige Vorlesung zur Literaturtheorie besucht hat, weiß um Foucault und Derrida und die Möglichkeiten der Dekonstruktion.
Die Professoren der Politikwissenschaft, Soziologie, Kulturanthropologie, und wie sie alle heißen, sehen ihre Aufgabe nun darin, auf der geleisteten Arbeit der kulturmarxistischen Gefühlswelt aufzubauen und sie mit intellektuellen Konzepten zu unterfüttern, sodass die angehenden Journalisten, NGO- Aktivisten, Mitglieder der Integrationsindustrie/der Stadtverwaltung/der Botschaften/der Parteien in der Lage sind, sich zu artikulieren. Die abstrakte Sprache, in der dies geschieht, ist natürlich bewusst gewählt, da sie nicht Eingeweihte einschüchtert. Im Grunde weiß jeder angehende Student bereits, welche Meinungen von ihm erwartet werden, in der Regel lernt man nur,
selbstreferentielle Zitate methodisch korrekt zu setzen.2
Die Auseinandersetzung auf den Universitäten ist die wichtigste und gleichzeitig schwierigste überhaupt, und ich halte es für den schwerwiegendsten Fehler der meisten Konservativen, dass sie über die holprigen Konstrukte der Berufsintellektuellen wahlweise einfach nur lachen oder verächtlich zischen und dann aber überrascht sind, wenn diese Konzepte in ausgearbeiteter Form in EU- Richtlinien und Theaterinszenierungen auftauchen, eine näher gehende Betrachtung würde in diesem Text jedenfalls zu weit führen. Zusammengefasst soll hier nur ausgedrückt werden, dass die allermeisten Argumente, die Sie ins Feld führen können, überhaupt keine Wirkung haben, weil sie auf einer moralischen Basis zurückgewiesen und mit einer auswendig gelernten Antwort gekontert werden. Das heißt auch, dass Sie mit empirischen Darstellungen wenig bis nichts erreichen. Es ist nicht etwa so, dass der Linke weniger Informationen als wir zur Verfügung hätte, ich kenne einige, die sich sehr genau mit Migrationsströmen auskennen und auch um unsere demographische Zukunft wissen. Es ist ein Irrglaube, dass die korrekte Anordnung von Zusammenhängen bei ihm ein Licht aufleuchten lassen würde. Alles das lauert bereits irgendwo an der Peripherie seiner Wahrnehmung und drängt auch oft ins Zentrum, wird aber mit den oben genannten Methoden zurückgestoßen. Machen Sie also nicht den Fehler, ihn schlicht als dumm einzuordnen, er ist sich der Versatzstücke nicht wirklich bewusst, die er reflexartig benutzt, vielmehr greife ich mir ob des verschwendeten intellektuellen Potentials oft voller Grauen an den Kopf.
3. Das Ziel der Ideologie ist die Auslöschung unserer Identität, unserer Erzählung, und zwar inklusive aller ihrer Elemente, von Shakespeare bis Gender Mainstreaming, in letzter Konsequenz lässt die Neuinterpretierung durch Drittweltmassen beides nicht mehr zu. Es gibt keinen Stopp auf halber Fahrt, und es ist ja gerade ein Kennzeichen der in der Tat lächerlichen Gegenwehr der Besonnenen, die immer um Versöhnung bemüht sind, dass sie sich gerade nach einer verlorenen Schlacht wieder einmal in Sicherheit wähnen. Wo sie noch
jammern und betteln: „Nun, okay, da habt ihr eure Homo-Ehe, aber damit ist es auch gut, ja?“, da lauert am Horizont schon das Adoptionsrecht, dahinter die Ehe für Transsexuelle, dahinter das Recht für transsexuelle … nunja, Eltern, das Geschlecht ihres Kindes operativ je nach Geschmack zu verändern. Warten Sie mal 10 Jahre ab …
Man erkennt immer, ob man es mit einem ehrlichen Linken zu tun hat, wenn man einmal den ganzen Bullshit beiseite lässt und eine Antwort auf die Frage verlangt: „Du weißt es, und ich weiß es, es gibt für jedes europäische Land einen Countdown, wenn der abgelaufen ist, verschwinden die Blonden dieser Welt, Dostojewskij, Bach, die Akropolis, dein Bio-Supermarkt, die Läden für Schwulen- Accessoires, und so weiter. Ist dir das wirklich egal?“ Der unehrliche Linke wird eine Kombination aus Spott und Abwiegelung versuchen, der ehrliche aber, der die Zahlen und in seinem tiefsten Inneren auch den Wesensunterschied der Neuankömmlinge kennt, wird schlicht und klar sagen: „Ja“. Er ist bereits tot, das ist ja gerade der Sinn: Sein bzw. unser Opfer ist erst die Voraussetzung für eine gerechte Welt. Er gehört zu jenen, die – meist hämisch frohlockend und mit Glucksen – z. B. meinen, dass Deutschland doch bereits ein Einwanderungsland sei und es also doch gar keinen Sinn mehr mache, sich dagegen zu stellen, überhaupt gebe es doch nur noch ein paar schnell absterbende Resthäuflein, die bald der Geschichte angehören werden. (Natürlich ist es umgekehrt: Wir wollen leben, sie wollen sterben, endlich alles hinter sich haben.)
Wie also diskutieren, wenn die Lage so vertrackt ist? Die folgenden Punkte sind natürlich nur für Linke gültig, die noch am Anfang ihres Abnabelungsprozesses stehen. Das Ziel der Diskussion ist es, ihr Unbehagen bis zu dem Punkt zu steigern, an dem ihre rationalen Kapazitäten für eine Überwindung der Widersprüche zwischen Wahrnehmung und Ideologie nicht mehr ausreichen. Bei sehr intelligenten Menschen kann das sehr lange dauern, um nur eine der bitteren Ironien dieser ganzen Sache zu erwähnen. Noch einmal: Seien Sie
bescheiden, meistens wird es überhaupt nicht funktionieren, Sie werden bei den einzelnen Personen schnell ein Gefühl dafür entwickeln.
• Für den gerade erwähnten Hardcore-Linken gibt es nur eine Erwiderung: „Ich glaube dir nicht.“ Lassen Sie ihn lang und ausführlich erklären, warum er die Apokalypse für gerecht und notwendig hält. Sie sollten dazu aber natürlich in einer größeren Gruppe unterwegs sein. Die Regeln für Gruppendiskussionen unterscheiden sich manchmal stark, es kann hier sinnvoll sein, von fünf Leuten vier zu provozieren, um dem schweigenden Zuhörer die ganze Absurdität ihrer Ansichten einmal in ihrer vollen Konsequenz vorzuführen. Ein gutes Mittel ist hier das komplette Umdrehen eines Arguments, akzeptieren Sie niemals die Grundannahmen Ihres Gegners. Auf Dutzenden von Partys habe ich das Argument gehört, Europa sei für das Elend Afrikas verantwortlich. Meine Antwort darauf lautet seit geraumer Zeit: „Nein, es ist umgekehrt, alles, was in Afrika funktioniert, sind Reststrukturen aus dem Norden.“ Sicher ist Ihnen anschließend daran nicht nur der Hass der Umgebung, sondern auch eine gewisse Art Schock, von dem Sie hoffen können, dass ein oder zwei Anwesende verwirrt sind. Im Folgenden geht es um Einzelpersonen, an denen Ihnen etwas liegt.
• Benutzen Sie keine durch jene erwähnten Prozesse kontaminierten Begriffe, die sofort Beißreflexe auslösen: Volk, Nation, Familie, Stolz, Tapferkeit, Ehre, Geschichte, Glaube, Natur, Männer, Frauen, Moral usw..
• Überhaupt, sprechen Sie im Normalfall (Ausnahme weiter unten) nicht von Überzeugungen, Ansichten, Meinungen. Der Egalitarismus ist Orthodoxie, und für den günstigen Fall, dass Ihr Gesprächspartner noch nichts von Ihrer Einstellung weiß, ist es besser, ihn in dem Glauben zu belassen, dass Sie die seine teilen.
• Erzählen Sie Geschichten, vermeiden Sie Statistiken. Nicht: „Hast du schon von der Vergewaltigungsstatistik zu Oslo 2009 gehört?? Zu 100% Moslems!!“, sondern: „Also ich weiß ja nicht, aber schon langsam wird es mir unheimlich, dass mir von [Name einfügen, der dem Diskussionspartner bekannt ist] ständig erzählt wird, wie unangenehm die Annäherungsversuche gewisser Bevölkerungsgruppen sind.“ Nicht: „Also der fehlende Bildungswille bei Zigeunern ist doch unerhört!“, sondern: „Eine Bekannte aus Prag, die Volksschullehrerin ist, hat mir erzählt, dass Roma-Kinder mit 6 Jahren oft noch nicht einmal das Konzept von FARBEN begriffen haben.“. Sie stehen sozusagen vor dem gleichen Dilemma, und fragen ihn unschuldig implizit oder auch explizit, wie es denn seiner Meinung nach aufgelöst werden könnte. Praktisch ist hier natürlich, dass Sie nichts erfinden müssen, überhaupt ist die Realität als verlässlichster Verbündeter ja glücklicherweise auf unserer Seite.
• Lassen Sie sich Geschichten dieser Art auch erzählen, die kommen zum Vorschein, wenn man nur ein bisschen stochert. Ich habe es oft erlebt, dass Bekannte diese gewissen bedrückenden Erlebnisse hatten, und dann auch Trost bei jemandem suchen, der zuhört und bedauert, dann aber dabei hilft, den Schirm der Ideologie wieder hochzuziehen. Lassen Sie diesen letzten Part einfach aus.
• Im Fall, dass Sie sich auf das Theoriegelände wagen wollen, reden Sie immer von primären und unverfänglichen Begriffen. Es ist für die gegenwärtige Kulturindustrie nicht günstig, den Zuschauer so anzugreifen, dass er sich vom Angriff nicht abgrenzen kann. Ein Film kann behaupten, dass die Kombination aus „weiß“ + „Mann“ zu den Südstaaten des Jahres 1861 führt, aber gleichzeitig bietet er im Regelfall den Ausweg des Renegaten an, der sich „richtig“ verhält und dem nunmehr befreiten Sklaven die Möglichkeit gibt, die Welt vom weißen Schmutz reinzuwaschen, sei es durch Mord oder Inbesitznahme verschiedener Güter. Es gibt aber gute Gründe, warum z. B. der Begriff „Mensch“ als solches nicht kritisiert wird. Würde man die Widersprüchlichkeit seiner Natur, seine irrationalen Anwandlungen, den Hass, Neid, alle Arten von Unvollkommenheit und Schwäche als eine anthropologische Grundkonstante darstellen, die unveränderbar ist und letztlich nur eingehegt werden kann, dann würde es den Konsumenten nach einer anderen Art der Auflösung drängen, da man sich ja schlecht vom Mensch- Sein entfernen kann. Die Antwort auf diese Fragen waren natürlich in allen Kulturen zu allen Zeiten bis auf die unsere Institutionen wie Familie, Religion, Staat, usw.. Fangen Sie also damit an, zu fragen, welches Menschenbild Ihr Gesprächspartner hat. Er wird – sonst wäre er kein Linker – eine Variation der Ansicht bringen, dass er diesbezüglich optimistisch sei, es sei ein klarer Fortschritt erkennbar, natürlich gebe es noch Reibungen zwischen „den Menschen“, verursacht durch ein paar Reaktionäre, aber die könne man überwinden. Ich habe es nie erlebt, dass das ein langer Vortrag wird, meistens sind es zwei bis drei Stehsätze. (Das Format von deutschsprachigen Talk-Shows funktioniert exakt nach diesem Prinzip, der Sarrazinsche Abweichler findet sich stets von mehreren Gegnern umgeben, die nichts als diese zwei Sätze sagen, nur eben nach- und durcheinander, sodass auch dadurch die Zeit ohne größere Peinlichkeiten verstreicht. Wäre es ein echter Schlagabtausch mit nur jeweils einem Vertreter, wo beide abwechselnd eine Stunde lang 5- minütige Argumentationen ohne Unterbrechungen ausführen könnten, wäre die Illusion auch für die schlichteren Zuschauer nach einigen wenigen Sendungen zerplatzt.) Warten Sie ab, und sagen Sie dann klar und deutlich: „Ich sehe das komplett anders.“ Die erste Adresse für Argumentationshilfen bezüglich des „Mängelwesens“ Mensch ist Arnold Gehlen, den sollten Sie für solche Momente parat haben. Sie werden vielleicht entgegnen, dass man dann im Endeffekt ja wieder bei den vergifteten Konzepten landet, aber zumindest haben Sie sie nicht einfach als Glaubensinhalte präsentiert, sondern als Derivate grundsätzlicherer Fragen.
Wenn Sie sich nun fragen, ob diese lächerlichen Babyschritte alles seien, was Sie leisten können, muss die Antwort – wenn es sich um Familienangehörige und dergleichen handelt – „Ja“ lauten. Sind es flüchtige Bekannte, so zögern Sie nicht, den Holzhammer anzuwenden, für alles andere fehlt auch mir lange schon die Geduld. Langfristig gesehen sind es wohl sowieso nur die sich verschärfenden Umstände, die einen Sinneswandel herbeiführen können. Gut möglich, dass wir dann bereits vor den Trümmern unserer Existenz stehen. Viel Glück!

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