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Wollen Sie wissen, wer der wirkliche Feind ist? Alle, alle vertreten sie die Entkoppelung der Substanz:

„Ich erinnere mich daran, als ich einmal in Japan den goldenen Pavillon in Kyoto besuchte und etwas überrascht war, dass er dem Fortschreiten der Zeit so gut widerstanden hatte, da er ja im 14. Jahrhundert errichtet worden war. Mir wurde gesagt, dass er ganz und gar nicht widerstanden habe und vielmehr zweimal in diesem Jahrhundert niedergebrannt war. ‚Dann ist es also nicht das ursprüngliche Gebäude?‘, fragte ich meinen japanischen Führer.
‚Natürlich ist es das‘, betonte er, etwas überrascht wegen meiner Frage.
‚Aber er ist doch niedergebrannt?‘
‚Ja.‘
‚Zweimal.‘
‚Viele Male.‘
‚Und wiederaufgebaut.‘
‚Natürlich, Es ist ein wichtiges und historisches Gebäude.‘
‚Mit komplett neuen Materialien.‘
‚Gewiss doch, es war ja niedergebrannt.‘
‚Wie kann es dann das gleiche Gebäude sein?‘
‚Es ist immer das gleiche Gebäude.‘

Ich gestand mir ein, dass dies in der Tat eine ganz und gar rationale Sichtweise war, sie startete lediglich von einem unerwarteten Ausgangspunkt. Die Idee des Gebäudes, seine Absicht, seine Ausgestaltung, alles das ist unveränderlich und sind die Essenz des Gebäudes. Die Absicht seiner ursprünglichen Bauherren ist, was überlebt. Das Holz, mit dem es errichtet worden ist, verfällt und wird, wenn notwendig, ersetzt. Eine zu sehr auf das ursprüngliche Material — lediglich sentimentales Andenken an die Vergangenheit — gerichtete Besorgnis vermag es nicht, die lebendige Gebäudestruktur selbst zu würdigen.“

Sinngemäß aus: Douglas Adams, Last Chance to see
Übertragung aus dem Englischen von Zam

So sehr etwa das überwältigende Interesse asiatischer Austauschstudenten am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien zu schätzen ist und sie die Gedanken an Bach und Liszt am Leben halten, es reicht nicht. Stirbt die direkte Nachfolgelinie, so stirbt alles, was wir sind. Die Umwälzungen, die vor unser aller Augen geschehen, sind der größte Totalverlust in der Geschichte der Menschheit. Daraus resultierend: Ein unglaubliches Gefühl der Ohnmacht, der Angst, der Verzweiflung, wir stehen am Bett unserer Brüder und rütteln und rütteln, und sie schnarchen nur immer lauter und lauter. Irgendwo tief drinnen, was soll man auch sonst glauben, muss aber verharren, was doch so selbstverständlich sein müsste, ein Eingestehen, das dem gefräßigen Geschwür der Rationalisierung („Es ist doch der gleiche Tempel, nicht? Wir tauschen doch nur die Farben des Holzes“) widersteht.

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