Monatsarchiv: Januar 2012

Todeswunsch I

a. Die Idee des Dahinschwindens der Menschheit – nicht der Tod spezifischer Menschen, sondern buchstäblich das Ende der menschlichen Rasse – ruft eine Reaktion in der menschlichen Psyche hervor. Sie erregt Menschen und zieht sie an, freilich mit verschiedener Intensität in verschiedenen Epochen und in verschiedenen Individuen. Der Intensitätsgrad dieser Idee veranlasst uns zu glauben, dass jedes Individuum zu einem mehr oder minder großen Maß davon betroffen ist und dass sie also ein universaler Wesenszug der menschlichen Psyche ist.

b. Diese Idee ist nicht nur manifest im individuellen Erleben einer großen Anzahl an spezifischen Personen, sie ist auch fähig, Menschen zu einen (im Gegensatz zum Delirium etwa), sie ist eine gesellschaftliche Kraft. Der Impuls hin zur Selbstzerstörung könnte als ein Element in der Psyche der gesamten Menschheit angesehen werden.

c. Der Sozialismus ist einer dieser Aspekte dieses Impulses der Menschheit hin zur Selbstzerstörung und zum Nicht-Sein, besonders aber seine Manifestation in der Sphäre der Organisation von Gesellschaft. Die letzten Worte von Meslier´s Testament (“ … mit diesem Nichts sei hier geendet“) drücken das „letzte Mysterium“ vom Sozialismus aus, um Feuerbachs bevorzugten Ausdruck zu verwenden.
[…]

Sozialismus als eine der Manifestationen der Verlockungen des Todes zu verstehen, erklärt seine Feindseligkeit gegenüber Individualität, sein Verlangen, die Kräfte zu zerstören, die den menschlichen Charakter stützen und stärken: Religion, Kultur, Familie, Privateigentum. Dies ist konsistent sowohl hinsichtlich seiner Tendenz, Menschen auf die Ebene eines kleinen Zahnrads im staatlichen Mechanismus zu reduzieren, als auch mit dem Versuch des Beweises, dass Menschen nur als eine Manifestation nicht individueller Erscheinungen wie Produktion oder Klasseninteresse existieren.“

Игорь Ростиславович Шафаревич
Igor Rostislawowitsch Schafarewitsch

Übersetzung aus dem Englischen von Zam


Da nun also die Welt südlich dem rettenderweise trennenden Meer zu einer traditionelleren Befindlichkeit zurückkehrt, fällt es schwer, ein erleichterndes Seufzen zu unterdrücken, immerhin müssen sich beide Seiten nun nicht mehr belügen und können zu der Konstellation wechseln, die ihnen angeboren ist: Blöcke des Antagonismus, damit verbunden Abschottung. Hoffentlich gibt die unsere Identität ihren messianischen Geburtsfehler nun endlich auf, den Glauben an Egalitarismus, hoffentlich wird das Eigene wieder salonfähig, wenn es nun mit echter Bedrohung konfrontiert wird. Es hat mich immer interessiert, welcher Prozentsatz an Intellektuellen diesen Übergang wohl schafft und also beginnt, unüberschreitbare Linien in den Sand zu zeichnen, und wie viele es nicht schaffen werden und nahtlos vom Argument „Alle sind gleich, wieso also sollten nicht alle hier leben können?“ zu „Wir müssen aufgeben, selbst zum Fremden (Konversion bzw. Sklavenstatus, …) werden, um zu überleben“ wechseln und das Ende in Kauf nehmen, wenn es nur den Tod des Teufels namens weißer Mann heißt.