Monatsarchiv: November 2011

Einzelereignisse

Spengler im Original: Kommen wir zu der Einsicht, dass das 19. und 20. Jahrhundert, vermeintlich der Gipfel einer geradlinig ansteigenden Weltgeschichte, als Altersstufe tatsächlich in jeder bis zum Ende gereiften Kultur nachzuweisen ist, nicht mit Sozialisten, Impressionisten, elektrischen Bahnen, Torpedos und Differentialgleichungen, die nur zum Körper der Zeit gehören, sondern mit seiner zivilisierten Geistigkeit, die auch ganz andere Möglichkeiten äußerer Gestaltung besitzt, dass die Gegenwart also ein Durchgangsstadium darstellt, das unter gewissen Bedingungen mit Sicherheit eintritt, dass es mithin auch ganz bestimmte spätere Zustände als die heutigen westeuropäischen gibt, dass sie in der abgelaufenen Geschichte schon mehr als einmal dagewesen sind und dass damit die Zukunft des Abendlandes nicht ein uferloses Hinauf und Vorwärts in der Richtung unserer augenblicklichen Ideale und mit phantastischen Zeiträumen ist, sondern ein in Hinsicht auf Form und Dauer streng begrenztes und unausweichlich bestimmtes Einzelereignis der Historie vom Umfange weniger Jahrhunderte, das aus den vorliegenden Beispielen übersehen und in wesentlichen Zügen berechnet werden kann.

Der (populärere) Spengler der Moderne, Mark Steyn: (Übersetzung von Zam)

Vor langer Zeit geriet ich oft bei einem Dinner an eine Dame mittleren Alters aus dem Nahen Osten, und die Konversation verlief so, wie es sie oft tat bei muslimischen Frauen, die in den 60ern, 70ern, oder 80ern eine Universität besucht hatten. In einem Fall war meine Essensbekanntschaft gerade auf einer Konferenz für „Frauenfragen“ gewesen, von denen es in der muslimischen Welt viele gab. Sie war erschüttert von einer Phrase, die vom Vorsitzenden, einem „moderaten Muslim“, gebraucht wurde: „Authentische Frauen“ – damit meinte er Frauen, die den Hijab trugen. Meine Freundin wies darauf hin, dass sie und ihre unverschleierten Bekannten in ihren 20ern die „authentischen Frauen“ waren: Verschleierung war etwas für knorrige russische Babuschkas. Es wäre ihr nie im Leben eingefallen, dass die Erwartungen ihrer Generation um 180° verkehrt liegen könnten, dass sie also in mittlerem Alter junge muslimische Frauen in einer Tracht sehen würde, die ihren Traditionen größtenteils fremd war, und zwar nicht im Nahen Osten, sondern in Brüssel und London und Montreal. Ich habe vor mir 2 Photographien, die erste von einem Universitätsjahrgang in Kairo des Jahres 1978, auf dem jede Frau unverschleiert ist; die zweite aus dem Jahr 2004, mit jeder Frau im Hijab.
„Oh, aber sie hatten noch nicht genug Zeit zu verwestlichen. Warte nur ab. Gib ihnen noch zwanzig Jahre, und die Sirenengesänge der Verwestlichung werden ihre Magie wirken.“ Das Argument war nicht nur spekulativ, es wurde bereits durch die Vorgänge der letzten zwanzig Jahre widerlegt. Ich habe hier ein drittes Photo, der Universitätsjahrgang in Kairo des Jahres 1959, das jede Frau in einer Bluse und einem Rock zeigt, mit Haarschnitten, die sich nicht von denen der Vorstadt-Hausfrauen aus Westchester County unterscheiden. Die Kairoer Universität von 1959 sah aus wie London. Nun sieht die Londoner Universität aus wie Kairo. Aber die westliche Linke hielt an ihrer unvermeidlichen Theorie der sozialen Evolution bis zum Ende fest, überzeugt, dass Frauen- und Schwulenrechte wie das Rad oder der Verbrennungsmotor waren; dass sie, einmal erfunden, nicht wieder rückgängig gemacht werden könnten. Stattdessen: Gezeiten steigen, und ebben ab.

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