Bildung als Verdummung

„Eine der Techniken, um junge Menschen aufzubrechen, ist es, eine Vorlesungsreihe zu einer nicht-westlichen Kultur zu erfordern. Obwohl viele der Lehrenden dieser Kurse genuine Forscher sind und ihre Forschungsbereiche aufrichtig schätzen, so habe ich dieses Erfordernis in jedem einzelnen Fall — wenn es doch so viele andere Dinge gibt, die gelehrt werden können und sollten, die aber nicht gelehrt werden; wenn Philosophie und Religion nicht mehr obligatorisch sind — in Verbindung mit einer demagogischen Absicht erlebt. Der Punkt ist es, Studenten einzutrichtern, dass es andere Denkweisen gibt und die westliche Sicht keineswegs besser ist. Nicht der Inhalt zählt, sondern die Lektion, die gelernt werden will. Erforderungen dieser Art sind Teil des Bestrebens, eine Weltgemeinschaft zu errichten und ihre zukünftigen Mitglieder zu trainieren: Die Person ohne Vorurteile.
Wenn aber die Studenten wirklich etwas über das Denken dieser anderen, nicht-westlichen Kulturen lernen würden (was sie nicht tun), würden sie herausfinden, dass diese Kulturen samt und sonders ethnozentrisch sind. Jede einzelne von ihnen glaubt, dass ihr Weg der beste und alle anderen minderwertig sind. Herodot erzählt, dass die Perser dachten, sie seien die besten, die angrenzenden Nationen die zweitbesten, die Nationen angrenzend an die Nachbarn die drittbesten, und so weiter, sodass ihr Wert in konzentrischen Kreisen vom persischen Zentrum abnahm. Dies ist Ethnozentrismus per definitionem. Eine Einstellung wie diese ist in etwa so allgegenwärtig wie das Verbot von Inzest zwischen Mutter und Sohn. Lediglich in den westlichen Nationen, d.h. in jenen durch die griechische Philosophie beinflussten, gibt es eine gewisse Bereitwilligkeit, die Identifizierung des Guten mit dem eigenen Weg anzuzweifeln.

Eine der Mythen unserer Zeit ist es, dass die 50er eine Zeit des intellektuellen Konformismus und der Oberflächlichkeit waren, wohingegen in den 60ern wahre Spannung erzeugt und Fragen aufgeworfen wurden. Der McCarthyismus — immer dann beschworen, wenn über Stalinismus gesprochen wurde, um das Gleichgewicht der Ungerechtigkeit zwischen den zwei Supermächten aufrecht zu erhalten — symbolisiert diese grauen, düsteren Jahre, die flammenden 60er aber waren die „bewegten“ Tage und, glaubt man den Worten der Überlebenden, die Zeit, in der im Alleingang Schwarze, Frauen und Südvietnamesen befreit wurden.
Ohne auf die strikt politischen Themen einzugehen, das intellektuelle Bild, das hier gezeichnet wird, ist so ziemlich genau das Gegenteil der Wahrheit. Die 60er waren die Zeit der dogmatischen Antworten und trivialen Abhandlungen. Kein einziges Buch von bleibendem Wert wurde im Zug dieser Bewegung geschrieben, alles drehte sich um Norman O. Brown und Charles Reich. Es war die Zeit, als der wahre Konformismus die Universitäten eroberte, als Meinungen zu allen Themenbereichen, von Gott bis zu Filmen, uneingeschränkt vorhersehbar wurden.“

Aus: Allan Bloom, The Closing of the American Mind, 1987

Sein zweiter Beitrag hier, er ist im Übrigen mit Vorsicht zu genießen, seine Abschnitte über die heutige Universitätslandschaft aber sind auf eine beunruhigende Weise zutreffend.

Übersetzung aus dem Englischen von Zam

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