Eine affektive Schwierigkeit

Falls Sie sich des Öfteren schon einmal gefragt haben, warum Ihnen bei vielen Argumenten – zumeist implizit, denn anders ist die Scham dann doch zu groß – unterstellt wird, durch roten Nebel berauscht zu sein, hierfür gibt es mittlerweile eine längere Tradition: 

Ich will gleich zum Eingang sagen, daß ich nicht eine intellektuelle Schwierigkeit meine, etwas, was die Psychoanalyse für das Verständnis des Empfängers (Hörers oder Lesers) unzugänglich macht, sondern eine affektive Schwierigkeit: etwas, wodurch sich die Psychoanalyse die Gefühle des Empfängers entfremdet, so daß er weniger geneigt wird, ihr Interesse oder Glauben zu schenken. Wie man merkt, kommen beiderlei Schwierigkeiten auf dasselbe hinaus.“

Sigmund Freud, Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse

Sagen Sie also, dass Sie die oben angedeutete Lehre für Schwachsinn und außerhalb jeglicher Empirie halten, so sind Sie selbstverständlich im frühen Alter unterversorgt worden. 

Sagen Sie, dass Sie es erst einmal für Diebstahl halten, wenn Ihnen der Staat auch nur einen Euro nimmt, ohne dass seine Argumente überwältigend sind, dass also die Beweislast nie bei Ihnen liegen darf, wenn Sie diesen Eingriff verweigern, so sind Sie gewiss an Ihre Klasseninteressen gebunden. 

Sagen Sie, dass kein einziger Mensch, niemand, nicht auch nur eine Seele, von außen kommend Ihre Wohnung, Ihr Land betreten sollte, ohne dass Sie ihn dazu aufgefordert haben, so sind Sie der schwerwiegendste Fall von allen, und Entrüstung wird Sie auf Ihren Wegen begleiten. Diese Form des Argumentes ist derart geläufig, dass sogar das Schimpf- und Codewort selbst zum Tabu geworden ist, weil es so obszön ist. Man liest es nicht einmal mehr unter Online-Artikeln der Zeit.

 

 

Sie stehen auf der falschen Seite der Geschichte, bereits jetzt sind Sie mental eine Minderheit. Sie werden verschwinden, und glauben Sie bloß nicht, dass auch nur eine Seite eines Geschichtsbuches für Ihre wahre Geschichte verschwendet werden wird. 

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