Vom Stehlen der Vergangenheit

Es fasziniert immer wieder, wie konsequent die kollektivistischen Apologeten der Apokalypse und Reprimitivierung in ihrer Methodik verfahren, ich müsste Bewunderung empfinden, würde mich nicht der Ekel schütteln. Es gibt keinen Bereich, der unangetastet bleibt, kein Refugium, das man seinem Gegner gönnt. Höchstens wird darüber diskutiert, ob der Progressivität zu schnell und zu viel Raum gegeben wurde, die Richtung aber versteht sich als festgelegt.
Eines der Refugien, in dem der unaufgeklärte und unwürdige Bürger normalerweise Trost sucht, ist das einer konstituierenden Vergangenheit, dessen Derivat wir doch alle zu sein glauben, viel wichtiger noch, dessen Symbole und Artefakte uns (noch) überall umgeben. Die Wiener Universität lässt sich also natürlich nicht lumpen, auf ihr wird gelehrt, dass selbst unser unverwechselbarstes Erbe eine Lüge ist: Die Antike sei, wie das die Schwiegertochter des ach so seligen Kreisky auf der Politikwissenschaft lehrt, gestohlen. Der weiße Teufel hat vereinnahmt, was ihm nicht gehört, griechische Mythologie sei nichts als afrikanische, somit Europa nur ein verlogener Außenposten der gütigen schwarzen Urmutter. Das Italien des 14. Jahrhunderts ist -natürlich- ein Produkt von Averroes und Avicenna, mithin islamisch. Hierzu: Averroes Bezeichnung lautet „Der Kommentator“, Aristoteles, den er kommentiert hat, „Der PHILOSOPH“ (sic!), kürzlich erst wieder im wunderbaren Kriminalroman von Eco gelesen. Die erste Behauptung entstammt der Black Athena von Martin Bernal, und die Rezeption und vernichtende Kritik der Klassizisten und Ägyptologen zauberte immerhin ein kleines Lächeln auf mein Gesicht: Handfeste Beweise gehen natürlich gegen null, die etymologischen Vermutungen des Autors tendieren eindeutig zu einer mythischen Geschichtsauffassung. Warum das Lachen? Weil der Versuch, dem Westen seine Vergangenheit zu stehlen, die gleiche Grundstimmung besitzt, die alles legitimiert, hat sie nur eine wichtige Voraussetzung, das moralische Verfehlen des weißen Patriarchats.

Jedes Jahr setzen sich Tausende Studenten diesem geifernden Hass aus, sie strömen aus den Universitäten direkt in die veröffentlichte Meinung, zu den NGOs, in die Politik. Worte haben Konsequenzen.

P.S.: Da fällt mir noch eine kleine Anekdote ein: Vor wenigen Jahren besuchte ich also ein Seminar zur politischen Theorie unter der bezaubernden Feministin Dr. Sauer, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Hobbes und Co. anhand der Auslassungen und Ausgrenzungen in Hinsicht auf Rasse, Klasse und Geschlecht zu untersuchen. Ja, ein Häresietribunal. Die Studentin, die ihr Referat zum Sexismus bei Kant hielt, hatte eine so liebreizende Gestalt, dass ich ihren Worten nicht folgen konnte (obwohl damals noch strammer Ideologiesoldat), aus den 2 Möglichkeiten der Wahrnehmung wählte ich selbstverständlich die angenehme. Ich weiß also nur noch wenige Sachen, etwa, dass Kant die Frechheit besessen habe, „Erhabenheit“ männlich und „Schönheit“ weiblich zu assoziieren. Wie dem auch sei, gegen Ende der Litanei wurde es der (bedeutend weniger attraktiven) Professorin wohl doch etwas zu bunt und zu eindeutig gehirngewaschen, sodass sie meinte: „Ja, das haben Sie alles sehr schön herausgearbeitet, aber, nur damit wir ein einigermaßen vollständiges Bild haben, muss ich Sie noch fragen: Was hat Kant sonst noch gemacht? Welche allgemeinen Prinzipien hat er vertreten?“ Die Studentin, gerade noch im Eifer des religiösen Dienstes, trat von einem Fuß auf den anderen und presste schließlich hervor: „Naja, das habe ich nicht so recherchiert ..“
Glücklicherweise war das Seminar bereits am Ende, sodass die Frage unbeantwortet blieb, ich bin mir aber absolut sicher, sie hat sich bemüht, ihr fehlendes Wissen nachzuholen!

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