Das Glück der Enthaltsamkeit

Sie sind eine städtische Bewegung, am Land halten sie sich, abgesehen von Splittergruppen, nicht sehr gerne auf. Das urbane Umfeld nämlich erzeugt das Klientel, deren Schuldbewusstsein ihr täglich Brot ist. Manche von ihnen sieht man, selbst an verregneten Tagen, auf der Straße stehen, wo sie ihre Ablassware anpreisen und den Vorübergehenden möglichst danach trachten, den Tag zu verdüstern, und sei es nur durch den traurigen Ausdruck ihrer gebrochenen Augen, die vom Elend der Welt künden.
Sehr viel geschickter aber sind jene, die es verstanden haben, institutionell zu agieren. Sie haben es verstanden, dass es keine Möglichkeit für die Begünstigten einer Gesellschaft gibt, sich ihre vermeintlichen Sünden selbst zu verzeihen, es bedarf eines Mittlers. Feine Ideale sind es, die sie predigen, Nachhaltigkeit und Enthaltsamkeit, die Tiere zu lieben, Konsumgüter aber zu verachten. Reiche haben sie gerne um sich, denn es wäre ein Fehler zu glauben, der stärkste Impuls dieser Zunft wäre die Gier, vielmehr ist es Eitelkeit. Vergebung und Frieden mit der Welt erhält man auf banalste Weise, man gibt ihnen schlicht Geld, immerhin hilft das über den Gedanken hinweg, dass kein Schwein auf dieser Erde freiwillig nach ihren Grundsätzen lebt.
Die Rede ist natürlich von den Franziskanern.

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